Qualzucht bei Rassehunden

Tierschutz und Rassezucht bei Hunden: Wie passt das zusammen?

Vom 11. bis 13. Mai 2012 fand in der Westfalenhalle in Dortmund die „Hund und Heimtier“, eine Hundeausstellung des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH), statt. Auf dieser Ausstellung haben sich Moderatorin Simone Sombecki und Tierarzt Dr. Ralf Unna umgesehen.

Tierschützer werfen Züchtern vor, Hunde zu züchten, die genetisch bedingt gesundheitliche Probleme haben.

Züchtern bestimmter Hunderassen – etwa der sogenannten „Kurznasen“ wie Bulldoggen und Möpsen – wird von Tierschützern vorgeworfen, Tiere zu züchten, die genetisch bedingt gesundheitliche Probleme haben.

Vielen Zuchtkritikern stellt sich die Frage, warum der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), der größte Dachverband für Hundezucht in Deutschland, nicht entschieden gegen Fehlentwicklungen in der Hundezucht bestimmter Rassen vorgeht und stattdessen auf seinen Shows Hunde präsentiert und sogar auszeichnet, die an gesundheitlichen Auffälligkeiten leiden. Tierschützer wie Dr. Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW, fordern den VDH auf, solche Tiere von Ausstellungen auszuschließen. Leider hat sich gerade das Show-Wesen in der Hundezucht als Katalysator solcher Qualzuchten erwiesen, so Tierarzt Dr. Unna.

Tierarzt Dr. Ralf Unna kritisiert das Show-Wesen in der Hundezucht, welches seinen Beitrag dazu leiste, dass Qualzuchten weiterhin bestünden.

Tierschützer fordern bei solchen Rassehunde-Show-Events vor allem unabhängige tierärztliche Kontrollen. Mit ihnen soll sichergestellt werden, dass Hunde, die nicht den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes entsprechen und vielmehr genetisch bedingt leiden müssen, von einem Wettbewerb ausgeschlossen werden. Solche Kontrollen gibt es in Deutschland bisher nicht. Veterinäre bei VDH-Zuchtschauen, so der Vorwurf der Tierschützer, handelten zu wenig dem Wohle der einzelnen Tiere und zu sehr den Erwartungen des VDH entsprechend. Zudem fehle ihnen die Befugnis, unabhängig Tiere von einem Wettbewerb auszuschließen.

Tierschützer fordern unabhängige tierärztliche Kontrollen, um Tiere, die aus genetischen Gründen leiden müssen, ausschließen zu können.

Inzwischen gibt es aber bei einigen Rassen ein Umdenken. Nicht zuletzt aufgrund einschlägiger Fernsehdokumentationen in England und Deutschland beschäftigen sich verantwortungsvolle Züchter problembehafteter Rassen mit dem Gedanken einer Art „Rückzüchtung“. So könnte etwa die Schädelform der in der Diskussion stehenden „Kurznasen“ auf ein gesünderes Verhältnis von Ober- zu Unterkiefer zurückentwickelt werden.

Auch die Verbandsverantwortlichen stehen unter dem Druck der Öffentlichkeit und sehen sich mehr und mehr gezwungen, zu reagieren. In England wurden bei der weltgrößten Hundeshow „Crufts“ 2012 erstmals problembehaftete Hunde disqualifiziert, nachdem vom Englischen Zuchtverband unabhängige Tierarztkontrollen eingeführt worden waren. Dieser Ausschluss etwa von einigen Bulldoggen und Pekinesen schlug hohe Wellen: Züchter waren entrüstet, Tierschützer begeistert.

Zeitgleich wird die Politik von einer entsprechenden EU-Richtlinie in die Pflicht genommen, gegen Qualzuchten vorzugehen. So hat die Bundesregierung Anfang 2012 den Entwurf eines neuen Tierschutzgesetzes vorgelegt, in dem unter anderem ein Ausstellungsverbot für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen vorgesehen ist. Das neue Gesetz soll am 1. Januar 2013 in Kraft treten.

Es stellt sich die Frage, ob auch der VDH diese Entwicklungen aufgreifen wird. Der Einsatz von unabhängigen Tierärzten war jedoch auch bei der diesjährigen Messe „Hund und Heimtier“ in Dortmund nicht vorgesehen. Zudem reagierte der Verband Anfang des Jahres ablehnend auf den Vorschlag der Bundesregierung, für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen ein Ausstellungsverbot auszusprechen. Er begründet diese Ablehnung unter anderem mit dem angeblich unkalkulierbaren Risiko für Züchter und Aussteller, welche nach einer Disqualifizierung umsonst angereist seien.

Bisher hat der VDH ablehnend auf den Vorschlag reagiert, für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen ein Ausstellungsverbot auszusprechen.

Wichtig ist, die Rolle des VDH ausreichend differenziert zu sehen. Natürlich hat der Verband eine umfassende Bedeutung für die Rassestandards innerhalb der ihm untergeordneten Verbände. Aber dennoch ist er nicht alleine für das Vorhandensein von „Qualzuchten“ in Deutschland verantwortlich. Denn das kommerzielle Interesse von „Hinterhof-Vermehrern“ außerhalb des VDH sowie der nur schlecht zu kontrollierende internationale Handel mit Welpen führen gleichermaßen zu einer Unterstützung von Qualzuchten, um so den unkritischen Wunsch vieler Menschen nach gewissen Mode-Rassen zu befriedigen.

Autor: Clemens Gersch

Ein Beitrag aus der WDR Sendung: Tiere suchen ein Zuhause vom 15. Juli 2012 http://www.wdr.de/tv/tieresucheneinzuhause/sendungsbeitraege/2012/0715/00_tierschutz_rassezucht.jsp

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Eine Antwort auf Qualzucht bei Rassehunden

  1. Uwe Hermann sagt:

    Obiger Bericht zeigt die Realität.
    Traurig aber wahr

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